Die schwimmende Bodensee-Querung im Winter

Eiskaltes Wasser, keine Absicherung und mehrere Kilometer offene Strecke vor sich – die schwimmende Querung des Bodensees im Winter gehört zu den Herausforderungen, die selbst erfahrene Ausdauersportler an ihre Grenzen bringen. Genau dieser Aufgabe stellt sich Nik Linder, deutscher Freitaucher und Markenbotschafter von DAVOSA. Nach seiner kompletten Umrundung des Bodensees im Jahr 2022 geht er diesmal einen direkteren, kompromissloseren Weg: quer durch den See, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Nik Linder zeigt, was passiert, wenn körperliche Belastung, mentale Stärke und die Faszination für das Extreme aufeinandertreffen.


Nachdem ich 2022 den Bodensee schwimmend umrundet hatte, war mir lange Zeit nicht mehr nach einer neuen Herausforderung. In 20 Tagen habe ich Deutschlands größten See umschwommen. Dabei habe ich fast jeden Tag eine offizielle Marathon-Schwimmdistanz von 10 km zurückgelegt. Ungewöhnlich kalt war es im September 2022, und danach hatte ich erst mal genug von kaltem Wasser und feuchten Nächten in meinem undichten Einmannzelt.


Die Idee zur Winter-Querung

Doch jetzt war es mal wieder Zeit für eine Challenge. Ich hatte noch nicht davon gelesen, dass der Bodensee mal im Winter durchschwommen wurde. Ob das wirklich so ist, war mir dabei gar nicht so wichtig, wobei es sicherlich eine Rolle spielt, etwas anzugehen, was nicht jeder kann. Eine persönliche Herausforderung wäre es auf jeden Fall.

Start unter winterlichen Bedingungen

Die Wasser- und Lufttemperatur lag bei 6 Grad, als ich mich mit Maik, einem befreundeten Seatrekker, in Meersburg am Bodensee verabredet hatte. 5,4 km eiskaltes Bodenseewasser lagen nun vor uns. Ungefähr 2 km schwimmen wir pro Stunde, sodass uns 2–3 Stunden Schwimmen bevorstanden. Das Besondere: Auch heute ging es ohne Support. Dabei waren unsere Seatrekking-Taschen. Darin fanden unsere Kleidung und ein paar Powerriegel Platz. Ein Begleitboot würde es nicht geben, wir mussten uns selbst orientieren und blieben eng beisammen, um vom Schiffsverkehr besser gesehen zu werden. Es war 10 Uhr, als ich auf meine Davosa Apnea Diver Uhr schaute und wir zum letzten Mal den Grund unter den Füßen spürten.

Der Einstieg ins kalte Wasser

Ausgestattet mit Flossen und Handpaddles schwammen wir Richtung Konstanz. Gerade zu Beginn ist die Kälte sehr unangenehm, mit der Zeit gewöhnt sich der Körper daran und irgendwann wird alles taub und gefühllos. Wir wählten eine Geschwindigkeit, die so schnell war, dass uns nicht kalt wurde, und langsam genug, um sie einige Stunden durchzuhalten.


Dieses Mal war alles anders

Vor dreieinhalb Jahren, bei meiner Bodensee-Umrundung, war ich immer in Ufernähe unterwegs. Zum einen, weil es ja darum ging, den Bodensee zu umrunden und möglichst jede Bucht auszuschwimmen, und zum anderen auch, um sich vor dem Schifffahrtsverkehr zu schützen, der nur zum Anlegen ans Ufer kommen durfte und ansonsten eine gewisse Distanz einhalten musste.

Jetzt ging es quer über den See, und das barg natürlich Gefahren, die durch den bewussten Verzicht auf externen Support in Form eines Begleitbootes gesteigert wurden. Im Notfall könnten wir nicht einfach auf ein Boot steigen und uns ausruhen oder in kürzester Zeit an Land gebracht werden. Außerdem sind wir für den Schiffsverkehr nicht so einfach zu sehen. Während die Kälte des Wassers zwar die Gefahr steigerte und Hypothermie und Krämpfe begünstigte, lag darin auch ein Vorteil: Heute waren sehr viel weniger Schiffe auf dem See als im Sommer.

Fokus und Flow

Schwimmt man am Ufer, dann ist alles auch ein bisschen interessanter. Es gibt Fische, Pflanzen, Muscheln und Baumstämme zu sehen. Bei der Querung hingegen nur grau-blaues Wasser. Dafür fällt man mangels Ablenkung leichter in eine Trance oder einen Flow. Nur das gelegentliche Aufschauen aus dem Wasser, um die Richtung zu korrigieren, die Geschwindigkeit an Maik anzupassen und die Umgebung nach Schiffen und Fähren abzusuchen, unterbrach die Routine des monotonen Schwimmens.

Diese Monotonie, die ich im Leben doch immer so verabscheute, fand ich hier in der stetig gleichen Bewegung wirklich schön. Mein Körper war gefordert, und dazu war ich im Wasser, meinem Element. Kälte und Schmerzen fühlen sich hier „gedämpfter“ und weniger störend an. Man darf diese Bodensee-Querung nicht überhöhen, denn auch wenn sich die Kälte in unsere Glieder fraß und Hände und Füße sehr bald gefühllos wurden, verhinderte der Neoprenanzug, dass wir völlig auskühlten. Diese Querung und das Schwimmen im eiskalten Wasser waren sicherlich eine Herausforderung, aber keine von der Art, die niemand nachmachen könnte. Doch das macht nichts – ich habe gemerkt, dass solche persönlichen Challenges perfekt geeignet sind, um zu wachsen. 

Auch wenn ich in meinem Leben schon einige Weltrekorde gebrochen habe, war ich nach einer sportlichen Leistung nie glücklicher als im Jahr 2002, als ich auf die Zielgerade meines ersten Marathons in Dublin eingebogen bin. Damals wie jetzt bei der schwimmenden Querung des Bodensees stand diese Performance am Ende von einigen Monaten Vorbereitung. Fast ein Jahr habe ich für den Marathon trainiert und war vom absoluten Jogging-Hasser zum Marathonläufer geworden. Ich war fitter und ausdauernder als je zuvor in meinem Leben. Ähnlich war es nun mit der Bodensee-Querung. Da ich wusste, dass ich im Februar die Strecke schwimmen wollte, habe ich einen ganz anderen Winter als sonst erlebt. Ich war Eisbaden, Eistauchen und Eisschwimmen.

 

Die letzten Winter verbrachte ich eher in den temperierten vier Wänden, dabei entging mir, auf welche wunderschöne Umgebung ich all die Jahre im Winter verzichtete. Eine verschlafene und ruhige Natur, Seen, die im Sommer völlig überfüllt sind und nun im Winter absolut ruhig und menschenleer waren. Jetzt im Frühjahr muss ich nicht versuchen, die verlorene Form wieder aufzubauen, ich habe ja diesen Winter nicht aufgehört zu trainieren.

Meine Davosa Apnea Diver Uhr zeigte 12:15 Uhr, als wir wieder Land unter den Füßen spürten. Wir hatten es geschafft und nur ein wenig länger als zwei Stunden dafür gebraucht. Anschließend tranken wir noch einen Kaffee und belohnten uns mit einem Kuchen. Wir freuten uns, denn abgesehen von unserer neu gewonnenen Freude am kalten Wasser hatte diese Herausforderung einen weiteren Pluspunkt: Man ist stolz auf das Erreichte und glücklich, dieses schwierige Projekt geschafft zu haben. Danach fühlt sich manches, was einen so im Alltag belastet, gar nicht mehr so dramatisch an.

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